Die Heilkraft der Lebensenergie

Oliver Klatt
Die Heilkraft der Lebensenergie
Aquamarin Verlag, 288 Seiten, 19,95 Euro

Die-Heilkraft-der-Lebensenergie KopieWie immer sie genannt wird, ob Reiki, Qi, Q-Punkt-Methode und was es an Namen mehr gibt: die Lebensenergie ist als Thema stark präsent auf dem Büchermarkt, sei es in eher theoretischen und sachlichen Abhandlungen oder in praxisbezogenen Selbsthilfebüchern. Oliver Klatt, Herausgeber des Reiki Magazins, hat mit seinem neuesten Buch „Die Heilkraft der Lebensenergie“ eine Lücke geschlossen zwischen fachlich orientierten Sachbüchern einerseits und praktischen Ratgebern sowie Erfahrungsberichten andererseits.

„Die Heilkraft der Lebensenergie“ enthält eine profunde Zusammenfassung von Etlichem zum Thema „Lebensenergie“, welches im Laufe der Jahre im Reiki Magazin in der einen oder anderen Weise erschienen ist, und es ist zugleich eine Zusammenfassung der Erfahrungen und Erkenntnisse, die Oliver Klatt in seiner langjährigen Tätigkeit als Reiki-Praktizierender und -Lehrer sowie als Herausgeber des Reiki Magazins gesammelt hat. Dabei vermittelt er sein umfangreiches und detailliertes Wissen in ungewöhnlicher Form: als Dialog zwischen einem Heiler und einer Patientin, die später seine Schülerin wird. Eine Handlung gibt es nur in stark reduzierter Form, skizzenhaft angedeutet – sie lockert den Dialog auf. Die Dialog-Form, die Oliver Klatt für sein jüngstes Buch gewählt hat, führt den Leser zu eigenen Gedanken, fast, als sei auch er an diesem Gespräch beteiligt. Damit scheint mir ein Ziel erreicht, das der gewählten Form zugrunde liegt: bereits die großen Philosophen der Antike bevorzugten auch zur schriftlichen Vermittlung ihrer Gedanken und Ideen die Form des Gesprächs oder, wie in diesem Fall, des Dialogs zwischen zwei Partnern. Dadurch bekommt die Lektüre etwas Leichtes, Schwebendes. Doch man täusche sich nicht: die Gedanken sind gehaltvoll.

Ich habe mich jedenfalls beim Lesen dabei ertappt, wie ich dem einem oder anderen Gedanken nachsinnierte, mich von ihm in einer Weise berühren lassen konnte, die so wohl nicht erfolgt wäre, hätte der Autor – wie in den meisten seiner Publikationen – die Form des Erzählers gewählt. Denn durch meine lesende Teilnahme am Dialog wurde ich gewissermaßen zum Zuhörer. Auch für mich gab es Neues zu hören dabei, bereichernde Denkanstöße und Anregungen für mein eigenes Handeln. Manchmal bin ich beim Lesen zwischen den Rollen der beiden Dialogpartner und der des Zuhörenden hin- und hergependelt, habe verglichen mit meinen Erfahrungen, Fragen und Gedanken, die beim Lesen aufstiegen. Eine mehrdimensionale Form des Lesens sozusagen, die mir persönlich gut gefallen hat!

In dem Maße, wie die Beziehung zwischen dem Heiler und seiner Patienten sich entwickelt, entwickeln sich auch die Gedanken des Buches, vom rein Praktischen hin zur spirituellen Tiefe. Schließlich wird die Patientin zur Schülerin.

Die Praxis findet Ausdruck in Reflexionen wie dieser, wo der Autor den Heiler sagen lässt: „Die Ausstrahlung, die jemand hat, geht in das hinein, was er tut. (…) Eine Teilnehmerin an einer wissenschaftlichen Studie zum Thema Spiritualität wählte die folgenden Worte für ihre Beobachtungen: ‚Wir versuchen, in der Familie Harmonie zu schaffen. Wenn wir das tun, dann strömt Energie aus diesem kleinen Haushalt, und die Wellen, und es ist wirklich Energie, und die Wellen bewegen sich so rasch, dass wir nicht ausloten können, wie sie in andere Bereiche einwirken.‘ “
Roter Faden des Buchs ist dabei die Beschreibung der Lebensenergie als einer alles durchdringenden, alles umfassenden Kraft, für die es ein Bewusstsein zu schulen gilt und einen Umgang damit, der von Respekt geprägt ist.

„Die Heilkraft der Lebensenergie“ ist neben der Vermittlung von praktischem Wissen ein Streifzug durch die Geschichte der menschlichen Wahrnehmung von Lebensenergie und des Umgangs mit ihr. Thematisiert wird auch, wie die Lebensenergie in vielen Kulturen weltweit wahrgenommen und benannt wurde. Selbstverständlich kann es dabei im Rahmen dieses Buches nur ein kurzes Benennen geben, wie etwa die Hinweise, welche Namen die Lebensenergie in den verschiedenen Weltreligionen bekommen hat und wie sie dort wahrgenommen und geschätzt wird. Doch werden diese kurzen Anregungen so schmackhaft dargeboten, dass ich während des Lesens immer wieder in den hinteren Teil des Buches blätterte, in die Anmerkungen und die Literaturliste schaute, um mehr herauszufinden.

Die Aufmachung der „Heilkraft der Lebensenergie“ ist gelungen, Titelbild und Format regen an, das Buch in die Hand zu nehmen und darin zu blättern. Einen kleinen Kritikpunkt gibt es: Die Papierqualität könnte besser sein, dem Inhalt angemessen.

Das Schöne an diesem Buch ist die Auflistung aller Zitate, die Oliver Klatt in die Gespräche einfließen lässt. Samt Quellenangaben befindet sich somit im Anhang ein „Extrakt“ des vorausgegangenen Dialogs, der dazu verlockt, sich intensiver mit den Gedanken und den Quellen zu beschäftigen. An diesem Anhang lässt sich auch ersehen, was für eine ausführliche und intensive Beschäftigung mit dem Thema und seinen Facetten stattgefunden hat.        

Franziska Rudnick